Interviews Berufe


 Die  Interview-Fragen.

1. Wie hast du deinen Lebensunterhalt verdient in deinem Land, bevor du nach Libyen gegangen bist? Was hast du gelernt?

2. Wie hast du deinen Lebensunterhalt in Libyen verdient?

3.  Warum nicht in demselben Beruf?

4. Nachdem du wegen der Nato-Intervention gezwungen wurdest, Libyen zu verlassen Richtung Europa, hattest du keine Möglichkeit zu arbeiten; keine Arbeitserlaubnis. Was bedeutet das für deine Familie Zuhause?

5. Wenn du die Möglichkeit hättest hier an einer Weiterbildung teilzunehmen, würdest du sie wahrnehmen?




1. F. Autokarosserie-Reparaturen und Automechanik – 
Elektrischer Schweißer

Mein Beruf zu Hause in Nigeria war es, Autokarosserie-Reparaturen zu machen.

Als ich nach Libyen ging hatte ich das Glück, dass mein Beruf ‚hotkick’ war in Libyen.

Ich habe einfach weiter gearbeitet. In einer Werkstatt. Ich hatte einen Chef. Ich war der Manager von der Werkstatt und der Direktor war der Chef von dem Ganzen.
So habe ich die Verantwortung für eine Werkstatt gehabt in Bengasi, eine Werkstatt für Autokarosserie-Reparaturen und Automechanik.

So verbinde ich die Kenntnisse von beiden Berufen.

In meiner Werkstatt waren 8 Autos unter meiner Verantwortung, private Autos und solche von Firmen.

Das war meine Arbeit in Libyen.
Unglücklicherweise, als die Krise anfing und zum Krieg wurde hatte ich keine Alternative.
Sie haben uns gezwungen Libyen zu verlassen nach Italien.
Es gab keinen offenen Weg zurück nach Afrika.
So wurden wir vom Krieg gezwungen das Mittelmeer zu durchqueren Richtung Italien.

Ich habe lauthals auf mich aufmerksam gemacht um arbeiten zu können in Italien. Aber es gab für mich keine Chance. Ich habe 2 Jahre im Lager verbracht. Dann habe ich gesagt: ok, habe Italien verlassen, bin nach Deutschland gekommen. Noch immer das selbe Problem.

Also jetzt bin ich seit 3 Jahren ohne Arbeit.

In Italien haben sie uns gesagt, dass sie uns allen Dokumente geben wollen, so dass wir die gleichen Rechte haben auch in allen anderen europäischen Ländern.
Sie haben kein besonderes Land erwähnt. Sie sagten nur: wir geben euch die Papiere um in andere europäische Länder zu gehen, in welches europäische Land ihr wollt. Das war ihr Kommentar. Und er war nicht direkt, er war indirekt.

Sie können das nicht direkt sagen, weil es Zusammenstöße (zwischen den europäischen Staaten) provoziert hätte. Deswegen haben wir uns auch entschieden zu gehen, weil es ist allen bekannt, dass Italien nicht länger die Verantwortung für uns tragen konnte.

Das Camp war geschlossen, wenn du nicht gehen wolltest haben sie dich gezwungen. Vielleicht drei Polizisten, vier oder fünf: und du hattest keine Wahl. Du mußtest gehen.

Also das ist der Grund, warum ich mich von den Straßen Italiens hierher bewegt habe. Ich dachte: In Deutschland da wird alles besser.
Aber die Situation wurde schlimmer.

Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie. Ich hatte Probleme in meinem Land bevor ich weg musste. Es ist echt nicht einfach alles.

Es war die Krise, die mich gezwungen hat mein Land zu verlassen, und in Libyen nochmals dasselbe, so bin ich jetzt
wie ein toter Baum.

Selbstverständlich würde ich sehr gern ein Training bekommen.
Die Technologien sind unterschiedlich und jedes Jahr gibt es neue Technologien. Wenn du nicht ständig die neue Technologie kennst dann musst du sie lernen und mehr Erfahrung sammeln, um die neuen Technologien zu beherrschen.

Für mich, mit meinen Arbeitserfahrungen aus Afrika, wäre ich mit ein ein-zwei Monaten Training ok. Weil ich schon 10-15 Jahre Arbeitserfahrung habe. Deswegen brauche ich nicht viel Training.

Wichtig ist die Sprache zu können, um die Werkzeuge nennen zu können und die mechanischen Aspekte zu besprechen. Das würde ich brauchen, eine Sprachausbildung. Aber nicht nochmals alles lernen.

Ich kann die Sprache lernen, dann sagst du mir bring mir dies bring mir das, dass ich weiß, welches Werkzeug wie heißt.

Eigentlich ist die Arbeitsmethode überfall die gleiche. Nur haben die Werkzeuge in den Sprachen andere Namen.

Ich habe ein Diplom von dem was ich kann. Eigentlich sollte so ein Diplom Gültigkeit in der ganzen Welt haben.

Als ich nach Europa kam, fand ich es so schwierig, weil die Leute denken, weil ich aus Afrika komme kann ich hier nicht mithalten.
Die meisten hier kennen sich aber mit Motoren gar nicht aus, wir arbeiten praktisch.

Bei den meisten von uns ist das Wissen im Kopf drin.
Wenn du einem Europäer ein Auto bringst und sagst ihm was zu tun ist, dann guckt er im Computer nach oder er sucht nach einer Maschine.

Wir haben viele Unterschiede:
Unser Wissen ist mehr praktisches Wissen, das europäische ist mehr Theorie.
Wir fangen mit Praktischem vor der Theorie an, sie fangen mit Theorie an. Das ist ein großer Unterschied.

Warum wir als Schweißer in Libyen privilegiert waren?

Es gibt zwei Berufe, die in Libyen geschätzt und gesucht werden:
Elektriker und Elektrischer Schweißer, das war meine Arbeit.

Die Regierung hat den Leuten gesagt, sie dürfen sich nicht mit dreckigen Autos oder Autos mit Schäden und Kratzern bewegen.
Deswegen war mein Beruf sehr gesucht in Libyen.
Sogar mit kleinen Kratzern kamen sie in die Werkstatt, wollten das sofort gemacht haben, dass wir das Auto sprayen.. Deswegen habe ich meinen Job da so gern gehabt und mochte das Land.

Meine Arbeit ist eine mit drei Abteilungen:
Die eine ist Autolackierer
Die andere ist Mechaniker
Die dritte Autokarosserie-Reparaturen.
Und es geht alles zusammen. Es ist, als ob ich drei Ausbildungen hätte, nicht eine.

Deswegen, wo auch immer ich mich befinde, werde ich mit ein bisschen Anfangs-Training loslegen können.

Und meine persönliche Ausbildung zur Autokarosserie-Reparatur betreffend: der Unterschied zu Europa ist, dass wenn hier ein Auto einen Schaden hat, wird es oft ersetzt.
Wir benutzen unsere Körperkraft um es zurechtzubiegen.
Das ist der Unterschied.

Wenn ich die Chance hätte, wäre ich sehr glücklich, alle meine drei Berufe auf einmal zu machen.

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2.M. – Taschennäher und Betonbauer

In der Elfenbeinküste war mein Beruf Taschen zu nähen, damit habe ich mein Geld verdient.
Ich nähte Stofftaschen und -rucksäcke.
Die Taschen haben wir dann verkauft für den Export an andere afrikanische Länder. Die Stoffe haben wir im Geschäft gekauft, es waren Libanesen, die die Stoffe verkauften. Aber die Stoffe kamen vom asiatischen Kontinent, aus China.

Wir waren viele, die Taschen genäht haben. Wir waren keine Fabrik, jeder hatte seinen eigenen kleinen Betrieb.
Auf dem Markt gibt es einen Ort, wo die Menschen hinkommen, die Taschen kaufen wollen.
Sie suchen sich aus den verschiedenen Modellen die aus, die sie brauchen. Ich habe 50-60 Taschen am Tag produziert.
Die Produktion ist abhängig von den Bestellungen. Ich kann sogar 100 Taschen am Tag herstellen.

Ich war zufrieden mit meiner Arbeit, weil ich das schon als Jugendlicher gelernt hatte. Als ich klein war, ging ich nicht zur Schule, ich habe gearbeitet.

Ich hatte keine Verwandten, die den Beruf hatten, aber mir hat jemand, der uns nah stand, das beigebracht.
Danach hatte ich mein eigenes Atelier und habe für mich gearbeitet. Ich hatte zwei Nähmaschinen und 2 Auszubildende.

Nach Libyen bin ich gegangen wegen des Krieges in der Elfenbeinküste 2010.
Erst habe ich versucht weiter Taschen zu nähen, aber das gab es da nicht. Ich war in einer kleinen Stadt, Sabbat ,da wurden keine Taschen gemacht und ich hatte keine Papiere.
Dann habe ich Arbeit auf dem Bau gefunden. Wir haben Häuser aus Beton gebaut. Das habe ich 6 Monate lang gemacht bis der Krieg anfing. Und dann war ich in Italien.

In der Elfenbeinküste habe ich Familie. Wenn ich nicht arbeiten kann, ist es ein großes Problem für alle.
In der Elfenbeinküste habe ich gearbeitet und meine Mutter unterstützt. Meinen Vater hatten wir verloren, als ich noch klein war, ich habe einen großen und zwei kleine Brüder. Die zwei kleinen sind Schüler. Wenn ich nicht arbeiten kann, dann müssen sie auch mit der Schule aufhören. Dann werden sie so wie ich ohne Bildung aufwachsen. Das ist das Problem, das meine Mutter hat.

Wenn ich hier arbeiten kann, würde ich am liebsten weiter Taschen nähen. Weil ich das gut kann, und so könnte ich meine kleinen Brüder weiter unterstützen zur Schule zu gehen.

Ich brauche eine Weiterbildung, weil die Kenntnisse in der Elfenbeinküste und in Europa sehr unterschiedlich sind. Eine Weiterbildung wäre gut für mich.

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3. J. -Werbe Agentur in Lagos- 
Schneiderei Geschäft in Libyen.

In Nigeria habe ich in der Werbung gearbeitet für Radio, Fernsehen, Zeitungen. Wir haben Jahresberichte gemacht, Prognosen. Nein, ich habe nicht selber Bildmaterial gemacht. Das haben andere gemacht. Ich habe das Bildmaterial unseren Kunden gebracht, um zu besprechen, ob sie das
 gut finden. Danach haben wir es in Radios, Zeitung oder Fernsehen publiziert. Diese Arbeit habe ich
 3 Jahre gemacht, dann bin ich nach Libyen gegangen.

1983 kam ich nach Libyen.

Ich konnte nicht weiter in der Werbung arbeiten, weil sie in Libyen arabisch sprechen und sowieso bekamen wir nicht für jeden Beruf eine Arbeitserlaubnis.
Deswegen, wenn du nach Libyen gehst, musst du Handarbeit machen um gut Geld zu verdienen. Wenn du im Büro arbeitest, wirst du nicht gut bezahlt.
Deswegen habe ich schneidern gelernt.
Erst habe ich gelernt, dann habe ich eine Nähmaschine gekauft und einen eigenen Betrieb aufgemacht.

Du mietest einen Raum, stellst deine Maschine hinein und bezahlst Miete.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu arbeiten, wenn die Menschen selber kein Geld haben suchen sie jemanden, der einen Raum hat und die Maschine kauft und teilen sich den Verdienst.
Aber ich habe meine eigene Maschine gekauft und arbeitete selbständig. Ich habe nur Miete bezahlt für den Laden.

Ich habe mich auf das Nähen von saudiarabischer Kleidung – lange Gewänder -  und Schals spezialisiert.

In Libyen habe ich von 1985 bis 2011 gearbeitet, dann musste ich Libyen verlassen.
Es war mein Zuhause geworden. Viele kannten mich da.

Meine Familie, ich habe eine Frau und einen Jungen, sind in Nigeria. Solange ich in Libyen war konnte ich sie finanziell unterstützen, weil ich immer Arbeit hatte und es war mein eigener Betrieb.
Deswegen brauchte mir keiner Almosen geben.
Ich konnte meine Miete bezahlen und es blieb Geld über für meine Familie.
Damals konnte ich meiner Familie Geld schicken, ich sagte: nehmt, nehmt. Jetzt: nichts. Das ist ein großes Problem.

Für meine Familie ist es schwer, dass ich keine Arbeitserlaubnis in Europa habe.
Mein Junge ruft immer an und sagt: ich brauche einen Computer, ich brauche dies und das. Und ich verspreche ihm, und sage immer: mach’ dir keine Sorgen, mach’ dir keine Sorgen.
Vor 2-3 Tagen hat er mich angerufen wegen des Hauses, in dem sie wohnen, sie brauchen Miete,  Essen.
Und ich antworte immer: mach’ dir keine Sorgen, mach’ dir keine Sorgen und hoffe, dass vielleicht später alles besser wird. Mein Junge ist 7 Jahre alt.

Fragst du mich wirklich ob es wichtig ist, Arbeit zu haben?
Was heißt wichtig?
Wenn ich nicht arbeite, wird mir niemand was geben. Wenn ich nicht arbeite, habe ich kein Geld.
Wie soll ich meiner Frau helfen, meinem Jungen zur Schule zu gehen, sie brauchen Geld.

Ich muss mich um sie kümmern und habe eine Schwester und einen Bruder, die älter sind, um die muss ich mich auch kümmern. Das macht mir Sorgen, sie brauchen Hilfe.

Ich bete, dass die Dinge sich ändern. Ich werde älter und vergeude die Zeit. Ich bin 52 Jahre alt.
Das wichtigste im Leben ist die Haltung.

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4.T. Tischler und Zimmermann

In meinem Land habe ich als Tischler und Zimmermann mit Holz gearbeitet. Ich habe diesen Beruf über 15 Jahre ausgeübt bis dann die Probleme in meinem Land kamen und ich mein Land verlassen musste. Bin nach Libyen gegangen.

Was ich mache ist folgendes: Stühle, Fenster, Türen, Decken, Holzdecken, Holzbetten. Ich habe viel Tischlerei gemacht.
Ich bin ein Tischler und Zimmermann. Ich habe sogar Särge gebaut, wenn jemand starb. Ich kann alles machen.

Am Anfang, als ich nach Libyen kam, habe ich in selbstorganisierten  Werkstäten als Tischler gearbeitet.

Später, als ich merkte, dass es nicht genug zu verdienen gab, habe ich meinen Beruf gewechselt. Statt Tischler und Zimmermann bin ich Elektrischer Schweißer geworden.
Da habe ich 6 Monate eine Ausbildung bekommen.
Schweißen und Zimmern ist ähnlich, nur beim Schweißen benutzt man  anderes Werkzeug, das ist der Unterschied.
Ich habe 6 Monate lang gelernt und dann in Firmen und Werkstäten gearbeitet.
So habe ich mein Geld verdient in Libyen. Es war perfekt für mich, weil diese Arbeit war sehr gut. Ich mag die Arbeit sehr.

Wie überlebt deine Familie?

Weißt du, wenn du keine Arbeit hast, was sollst du deiner Familie schicken?
Deswegen ist es sehr schwer für meine Familie. Ich habe drei Kinder und meine Mutter, meine Brüder und Schwestern. Sie rufen mich an und fragen: was ist los?
Ich sage, es ist sehr schwer für mich in Europa, weil sie erlauben mit nicht zu arbeiten, in keinem einzigen europäischen Land. Es ist gleich null.
Alles ist null.
Manche meiner Kinder sind krank, andere schmeißen die Schule, es ist echt schlimm.

Selbstverständlich wünsche ich mir mehr Ausbildung zu bekommen weil ich weiß, dass das europäische System anders funktioniert als das afrikanische. Ich würde jede Hilfe annehmen, weil ich die Arbeit brauche. Ich kann neue Technologien lernen und neue Sachen, wenn ich nur eine Arbeitserlaubnis bekomme.

Sicher möchte ich mehr Qualifikationen bekommen.
Im Schweißen haben wir 2 Sektoren: Elektro- und Gas.
Es wäre ideal für mich, alle Qualifizierungen zu bekommen, auch wenn ich alles schon weiß, aber ich möchte noch mehr meistern.

In Libyen waren wir nicht in der Schule für eine Ausbildung. Wir lernten von Menschen in der Praxis. Es ist ein arabisches Land.
In meinem Land Ghana habe ich ein Zertifikat, dass ich Tischler bin.

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5 . F. – Schlachter – Wasserabfüll-Fabrik

In Mali habe ich in einer Schlachterei gearbeitet, mit meinem Vater, meinen Eltern, der ganzen Familie. Ich habe sehr klein angefangen, war 12-13 Jahre alt, ich habe meinem Vater geholfen 

In Libyen habe ich auch in einer Schlachterei gearbeitet, aber ich habe noch eine andere Arbeit gefunden in einer Fabrik.
Eine Fabrik um Wasser in Flaschen zu füllen.
Wir haben das Wasser in Flaschen gefüllt, dann in Kartons und dann in die Autos.

In Libyen habe ich die zwei Arbeiten gemacht.

Jeden Monat habe ich Geld an meine Familie geschickt.
Ich habe etwa 2 tausend Dinar verdient, so konnte ich jeden Monat Geld überweisen.

Aber als ich nach Europa kommen musste, habe ich aufgehört, weil ich nicht arbeiten konnte. Kein Problem, das kommt noch, hoffe ich.

Wenn ich die Informationen finden würde, würde ich gern eine Weiterbildung machen. Es interessiert mich sehr. Sehr sehr sogar.

Am liebsten arbeite ich als Schlachter.

In Mali hatte ich ein Zertifikat, aber das habe ich im Krieg in Libyen verloren.


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6. M. - Schweißer Werft - Pipes

In Kamerun habe ich auf der Werft gearbeitet. Ich bin spezialisiert als Schweißer. 
Ich habe bei der Kameruner Werft (Chantier naval de Kamerun)
gearbeitet und bei der Firma Schlumberger, die gehört Deutschen. (wurde von Franzosen gegründet, eingetragen in Niederländisch Curacao, Sitz in USA) 
Ich habe 3 Jahre Erfahrung aus Kamerun.

In Libyen habe ich weiter als Schweißer gearbeitet bei den Pipelines für Öl bei den Libyern.
So alles zusammen habe ich 7 Jahre Berufserfahrung.

Ich habe alle Referenzen, auch die links der Firmen, bei denen ich gearbeitet habe.

Chantier naval de Kamerun
Union Industrielle de Kamerun
Schlumberger Libyen

Als der NATO-Krieg angefangen hat in Libyen, haben alle Firmen geschlossen. Die Arbeiter aus europäischen Ländern wurden alle evakuiert. Wir nicht. 
Wir haben versucht auszuhalten, aber als wir merkten, es geht nicht, sind alle geflohen.

Wir hatten erst gehofft, das könnte aufhören. Alle waren weg, nur wir waren noch da.

Das Problem ist nicht nur die Familie. Bei uns Frankofonen sagt man: die gute Tat fängt bei einem selber an!

Weil, wenn ich nicht gesund bin, dann ist meine Familie auch  nicht gesund.
So ist es nicht nur meine Familie, die mir Druck macht, sondern auch ich selber. Wenn ich arbeite bin ich gesund und kann ihnen helfen. Es ist so.

Ich brauche keine Weiterbildung, die Ausbildung, die ich habe, reicht. Ich habe alle Referenzen, wo ich gearbeitet habe.
Ich hätte in Deutschland gern eine Woche, um mich wieder in die Arbeit eingewöhnen zu können.

Ich kenne fast alle Arten zu schweißen, ich habe ein Diplom.
Alles was auf Werften gebraucht wird.
Ich bin auch zugelassen für CGT, das ist Elektrik und auch sogar für Gas, wofür ich in Italien eine Ausbildung abgeschlossen habe.

In Kamerun habe ich alle meine Diplome, die könnte ich versuchen herschicken zu lassen.

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7. A. – Schweißer, Unfallfahrzeuge – Fliesenleger 
für Wege und Straßen


In meinem Land habe ich als Schweißer gearbeitet.
Für Autos. Wenn das Auto einen Unfall hatte, zerlegen wir es in Teile und dann schweißen wir es wieder zusammen, malen es an, dass es wie neu aussieht.
Wenn das Auto sich schon in Teilen befindet und man mir sagt, bau es zusammen, kann ich das ohne Pläne oder Anweisungen.

Das ist meine Arbeit in Afrika: ohne Anweisungen arbeiten mit dem Kopf. Das ist Afrika! Du must richtig mit deinem Kopf arbeiten.

In Libyen machte ich auch Fliesen legen aus Keramik, Fliesen für die Wege.
Das hatten wir gelernt, bevor der Krieg angefangen hat. Es war in der Stadt Mousrata.

Wir haben Wege in den Gärten der privaten Häuser gefliest bis hin zu Straßen. Wir haben bei Privatleuten gearbeitet. Wenn du nach Libyen gehen würdest, könnte ich dir das zeigen. Es gibt auch Fotos, aber die sind da geblieben. Oh ja, ich mache diese Arbeit aus dem Herzen heraus.

Mein Problem ist, dass ich keine Arbeitserlaubnis habe, um hier zu arbeiten.
Ich habe Arbeit gesucht, aber sie wollten Papiere sehen. Ich sagte, ich habe Papiere zum Arbeiten in Italien!
Sie sagten, damit kannst du hier nicht arbeiten.



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8. D. Taxi Fahrer - Getränke Fabrik

In meinem Land, Togo, war ich Taxi Fahrer. Ich habe Taxis gefahren und auch Reise-Autos.
Ich fuhr mein Taxi, machte meine Arbeit, meine Aktivitäten und gab Geld aus den Einnahmen meiner Mama und meinem Papa.

Als die (politischen) Probleme in Togo für mich anfingen, musste ich weg; ich kam nach Libyen.

In Libyen habe ich in einer Fabrik gearbeitet. Wir produzierten Säfte aus Früchten und haben sie in Flaschen umgefüllt.
Es ist eine große Fabrik in Tripolis. Es war ein großes Unternehmen und Tripolis ist auch groß. Die Autos kamen und haben die Flaschen dann abgeholt zum Verteilen.

In Libyen haben wir Geld verdient und dann kam der Krieg. Wir mussten weg wegen des Krieges.

In Italien konnten wir keine Arbeit finden. Wir konnten aber auch nicht zurück in unsere Länder. Weil wir aus unseren Ländern wegen der Probleme geflohen waren. Deswegen waren wir nach Libyen gekommen.

Wir wussten nicht, was jetzt sein wird in Italien. Am Anfang, als wir angekommen sind in Italien, waren wir im Camp. Als sie uns endlich Papiere gegeben haben, haben wir Arbeit gesucht.
Aber es gab keine Arbeit. Deswegen sind wir hierher gekommen.

Hier fehlt mir mein Taxischein. Ich sehe die Menschen fahren und denke, ich kann auch fahren, das ist meine Arbeit! Ich kann es.


Ich kenne alles um Taxi zu fahren, es fehlt mir nur die Sprache.

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9. U. A : Sprachen- Business- Friseur .
19 Jahre alt.
Einer der jüngsten der Lampedusa in Hamburg gruppe.

Ich habe mein Land verlassen, als ich 12 Jahre alt war.
Nachdem ich die höhere Schule beendet hatte in Nigeria bin ich nach Libyen gegangen.
Ich habe dann arabisch gelernt in der Schule und Haare schneiden.

Ich bin dort wegen meiner Ausbildung hingegangen. Aber als ich da war, merkte ich, dass es schwierig war. Es gab nichts zu essen. Deswegen ging ich vormittags zur Schule und nachmittags ging ich zum Frisör und habe gelernt Haare zu schneiden. Ich habe 4 Monate gelernt. Und dann konnte ich allein Haare schneiden.
Ich hatte kein Geld um einen eigenen Laden aufzumachen. Aber eine nigerianische Frau hat mich eingeladen und die Papiere besorgt. So habe ich als Friseur gearbeitet, in Tripolis Stadtteil Madina, in Libyen.
Ich habe Haare geschnitten bis der Krieg anfing.

Ich habe 2 Jahre und ein paar Monate als Friseur gearbeitet, bevor sie den Krieg angefangen haben. Dann bin ich nach Italien gegangen.

In Libyen hatte ich mein eigenes Geld. Ich habe eine jüngere Schwester, sie geht auch zur Schule und ich habe ihr Geld geschickt für ihre Schule, weil wir sind nur 2 Kinder. Meine Eltern sind jetzt alt , meine Mutter ist 49 und mein Vatter 63, deswegen arbeiten sie nicht mehr.
In Afrika bleiben wir Schüler/Studierenden bei unseren Eltern und wenn sie alt sind, helfen wir ihnen. Wenn du arbeitest, gibst du deinen Eltern Geld, kaufst du für sie ein.
Aber jetzt kann ich meinen Eltern nicht helfen, weil ich arbeitslos bin und nichts tun kann. Meine Schwester pflegte mich anzurufen, dass sie Dinge für die Schule braucht...

In Nigeria habe ich Business studiert, in Italien habe ich auch gelernt; ich habe ein Diplom in Sprachen und Informatik angefangen, aber ich konnte es nicht beenden.
Weil ich 18 geworden bin. Als ich in Italien ankam war ich 17. Aber als ich 18 wurde, haben sie mich hinausgeworfen. Sie gaben mir 500 Euro und schickten mich los, so konnte ich nicht weiter lernen. Es war sehr hart.

Ich kann mit Computern arbeiten, ich kann englisch, arabisch und italienisch schreiben. Nicht perfekt.

Ich würde mich gern weiterbilden, und ich muss ein Handwerk lernen. Denn das wäre meine Zukunft. Ich will noch einen Beruf lernen. Gern würde ich weiter etwas mit Sprachen und Business machen.

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10. K.M. 19 Jahre - Cowboy. Bauer-Schneider-Maler mit Diplom aus  Italien.

Ich habe Guinea Bissau, verlassen, als ich 11 Jahre alt war.
In meinem Land war ich zu jung. Ich habe nicht gearbeitet, aber ich habe meinem Vater geholfen, er war Bauer.
Er hatte einen großen Bauernhof mit Kühen. Mein Vater hat all die verschiedenen Arbeiten gemacht und ich half ihm, und so kann ich auch alles machen auf einem Bauernhof.

Mein Vater bekam Probleme wegen dieser Kühe.
Bewaffnete Leute kamen und haben ihn getötet.
Dann sagte ein junger Mann, der bei meinem Vater gearbeitet hatte, zu mir: Komm’, wir gehen!
Ich bin mit diesem Arbeiter gegangen. Er ging nach Mali. Aber da war es sehr schwer für mich.
Ich kannte niemanden, hatte keine Familie, nicht mal die Sprache konnte ich sprechen. Aber der Mann hat mir geholfen, er sagte: Dein Vater hat mir geholfen, jetzt helfe ich dir.
Also gab er mir die Chance nach Familie zu suchen . Ich hatte einen Onkel in Libyen.

Er stellte die Verbindung zu meinem Onkel her und brachte mich in Libyen zu meines Onkels Haus. So kam ich nach Libyen.

Ich war damals zu jung. Mein Onkel sagte, ich kann nicht arbeiten, aber kann schneidern lernen. Er hatte einen libyschen Freund, der Schneider war.
Ich blieb bei diesem Mann 6 Jahre, in Libyen.
Ich lernte sehr gut schneidern, ich machte das ganz selbständig.
Weißt du, jedes Land hat seine eigene Art sich  zu kleiden. Ich kann alle afrikanischen Kleider nähen.

Als ich mit der Ausbildung fertig war, sagte mir der Mann: Ab jetzt bezahle ich dich und du wirst sehen, wie viele Sachen du dann für dich machen kannst. Weil jetzt ist deine Ausbildung abgeschlossen. So konnte ich meiner Mutter und meinem Bruder Geld schicken und auch meinem Onkel etwas geben.

Als ich nach Italien gekommen bin, haben sie mich zur schule geschickt. Sie sagten, bevor du hinaus gehst ins Leben, musst du was lernen. Als ich mit der Schule fertig war, haben sie mich zu einer anderen Schule gebracht um als Maler ausgebildet zu werden. Ich habe ein Diplom. Ich habe es bei mir. Ich lebte 2 Jahre in Bari.

Es ist ein großes Problem nicht zu arbeiten, seit 3 Jahren jetzt.
Ich konnte nicht mal meine Familie anrufen. Jetzt helfen uns Leute. Aber vorher war ich 6 Monate hier und meine Mutter wusste nicht, wo ich bin.
Es ist hart. Meine Mutter war in Sorge. Mehr als in Sorge...

Ich hätte Interesse eine Ausbildung zu bekommen hier. Jedes Land hat eigene Methoden beim Schneidern oder beim Malen. Auch wenn du Profi bist, musst du noch das System des Landes kennenlernen, bevor du arbeitest.
Deswegen habe ich großes Interesse. Wenn ich vorher ein bisschen Training gehabt habe, weiß ich, was zu tun ist.

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11. A.F. Beton-Straßenbau Arbeiter. 

In meinem Land habe ich mit Beton misch- Maschinen gearbeitet. Hier, wenn man nicht arbeiten kann, ist man sehr müde. Vom kein Geld verdienen.

Auch in Libyen habe ich mit Beton misch- Maschinen gearbeitet, wir haben Beton für den Straßenbau gemacht.
Wir haben mit vielen Menschen zusammen gearbeitet, um die Straßen zu bauen.

Für die Familie ist es ein Problem, weil wir in Italien keine Arbeit hatten. Arbeit ist gut! Ohne Arbeit ist es schwer.
Es war sehr gut als wir mit unserer Arbeit Geld verdienen konnten.

Als wir nach Europa fliehen musten, haben sie uns gesagt:
Hier sollt ihr nur sitzen, essen, schlafen. 
Aber das ist nicht gut so! So werden sie unsere ganzen Leben zerstören. Das ist nicht gut.

Ich wünsche mir, dass wir Arbeit suchen und finden und arbeiten können. Das wäre kein Problem. Wenn wir hier Arbeit finden, will ich eine Weiterbildung machen, um wie die Menschen hier in meinem Beruf arbeiten zu können.

In Hamburg gibt es viele Löcher in den Straßen zu reparieren.



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